Elisabeth Thesing-Bleck

Pflanzenliebhaberin

Wie geht Klimaschutz im Alltag? – Welchen Beitrag können Hausgärten zum Sparen von CO₂ leisten?

Klimaschutz beginnt nicht erst in der Politik, in der Industrie oder bei großen technischen Innovationen. Er beginnt direkt vor unserer Haustür – im eigenen Garten. Während öffentliche Diskussionen häufig um Elektroautos, Wärmepumpen oder den Ausbau erneuerbarer Energien kreisen, wird ein Bereich mit enormem Potenzial oft übersehen: die Kompostwirtschaft in privaten Hausgärten.
Dabei können Millionen von Hobbygärtnerinnen und Hobbygärtnern durch den Aufbau von Humus aktiv dazu beitragen, der Atmosphäre CO₂ zu entziehen und langfristig im Boden zu speichern.

Hausgärten – eine unterschätzte Klimafläche
Deutschland verfügt über eine erstaunlich große Gartenfläche. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland mehrere Millionen Privatgärten. Damit erreichen die Flächen deutscher Hausgärten eine Größenordnung, die mit den ausgewiesenen Naturschutzgebieten in Deutschland vergleichbar groß ist.
Zum Vergleich: Die Naturschutzgebiete in Deutschland umfassen – je nach Erfassungsgrundlage – etwa 4 bis 5 Prozent der Landesfläche. Die privaten Hausgärten stellen ebenfalls einen bedeutenden Teil der grünen Infrastruktur unseres Landes dar.
Diese gewaltige Fläche besitzt ein enormes ökologisches Potenzial. Wenn möglichst viele Gartenbesitzer ihre Böden humusreicher machen würden, könnten Hausgärten zu einem wichtigen Baustein des praktischen Klimaschutzes werden.

Humus bindet Kohlenstoff
Der entscheidende Punkt dabei ist der Humus.
Humus besteht aus abgestorbenem organischem Material, das durch Bodenorganismen umgewandelt wurde. Pflanzen entziehen der Luft während ihres Wachstums Kohlendioxid (CO₂). Über die Photosynthese wird der darin enthaltene Kohlenstoff in Blätter, Wurzeln, Stängel und andere Pflanzenteile eingebaut.
Werden diese organischen Materialien kompostiert und anschließend wieder in den Boden eingebracht, bleibt ein Teil dieses Kohlenstoffs langfristig im Boden gespeichert, als Humus! Genau hier liegt das große Potenzial der Kompostwirtschaft:

  • Grünschnitt
  • Herbstlaub
  • Rasenschnitt
  • Pflanzenreste
  • Küchenabfälle
  • Biomasse aus dem Garten

sind kein Abfall, sondern wertvoll, natürliche Kohlenstoffspeicher! Je höher der Humusanteil eines Bodens ist, desto mehr Kohlenstoff kann dauerhaft gebunden werden.

Kompostwirtschaft im eigenen Garten
Auf meiner Homepage beschäftige ich mich seit vielen Jahren mit biologischer Kreislaufwirtschaft im Garten und mit der Herstellung eigener humusreicher Erde. Im Beitrag zum Bokashi-Eimer wird beschrieben, wie selbst Küchenabfälle in hochwertiges organisches Material umgewandelt werden können. Dort heißt es: „Eigenen Humus stellt man aus den organischen Stoffen her, die ohnehin im Haushalt anfallen.“ Besonders wichtig ist dabei die Erkenntnis, dass organische Haushaltsabfälle eben kein wertloser Müll sind, sondern Ausgangsstoffe für fruchtbaren Boden.

Bokashi-Organiko-Zweier-Set die perfekt Ergänzung für den Topfgarten. Beim Einsatz von zwei Eimern lässt man den fertig gefüllten Eimer zur Nachrotte so lange stehen, bis der zweite Eimer mit Biomasse befüllt ist.


Im Beitrag „Was Sie über gute Pflanzenerde wissen sollten…“ wird erläutert, dass Kompost der Erde einen hohen Anteil organischer Substanz zuführt und dadurch die Bodenbeschaffenheit verbessert. Gleichzeitig fördern Mikroorganismen die Bodenfruchtbarkeit und stärken die Pflanzen. 
Auch im Beitrag „Blumenerde selber mischen – Eine Anleitung“ wird die Bedeutung von Kompost für die Bildung von Ton-Humus-Komplexen hervorgehoben. Diese biologischen Prozesse sind nicht nur für gesundes Pflanzenwachstum wichtig, sie sind zugleich aktiver Klimaschutz.

Warum Kompostierung mehr Aufmerksamkeit verdient
Der öffentliche Fokus beim Klimaschutz liegt häufig fast ausschließlich auf der Vermeidung von Emissionen. Weit weniger Beachtung findet dagegen die Frage, wie bereits vorhandenes CO₂ wieder aktiv aus der Atmosphäre entfernt werden kann. Genau hier leisten humusreiche Böden einen wichtigen Beitrag.
Jeder Komposthaufen wird damit zu einem kleinen Kohlenstoffspeicher. Jede Schubkarre fertiger Komposterde bedeutet:

  • mehr gebundener Kohlenstoff im Boden,
  • bessere Wasserspeicherung,
  • höhere Bodenfruchtbarkeit,
  • stärkere Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit,
  • weniger Bedarf an industriell hergestellten Düngern.

Gerade in Zeiten zunehmender Hitzeperioden und Starkregenereignisse gewinnen humusreiche Böden zusätzlich an Bedeutung. Sie können Wasser wesentlich besser speichern und gleichzeitig die Bodenstruktur verbessern.

Millionen kleine Beiträge ergeben eine große Wirkung
Das Entscheidende am Klimaschutz durch Hausgärten ist die Summe vieler kleiner Maßnahmen.
Ein einzelner Garten mag nur einen kleinen Beitrag leisten. Doch wenn Millionen Hausgärten ihren Humusanteil erhöhen würden, entstünde eine enorme Fläche biologischer Kohlenstoffspeicherung.
Viele Gartenbesitzer kompostieren bereits heute einen Teil ihrer Gartenabfälle. Doch das Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.
Oft landen wertvolle organische Materialien immer noch im Restmüll oder sie werden kostenintensiv entsorgt. Dabei könnten sie direkt im eigenen Garten genutzt werden, um Bodenfruchtbarkeit aufzubauen und Kohlenstoff dauerhaft zu binden.

Der Garten als Teil eines natürlichen Kreislaufs
Naturnahes Gärtnern bedeutet, biologische Kreisläufe möglichst vollständig zu schließen. Pflanzenreste werden nicht entsorgt, sondern wieder dem Boden zurückgegeben. Dadurch entsteht ein lebendiger Gartenboden voller Mikroorganismen, Regenwürmer und Bodenlebewesen.
In meinen Beiträgen wird immer wieder deutlich, wie wichtig ein schonender Umgang mit Boden und organischer Substanz ist. So heißt es im Beitrag zur Bodenwertzahl: „Der Boden ist Grundlage für jegliches Pflanzenwachstum.“ 
Und weiter: „Die nachhaltige Sicherung der Funktionsfähigkeit des Bodens durch einen emissionsarmen, ökologischen Umgang mit ihm ist auch im Privatgarten eine wichtige Aufgabe.“ Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung der Kompostwirtschaft.
Sie verbindet:

  • Klimaschutz,
  • Ressourcenschonung,
  • Bodenverbesserung,
  • Wasserspeicherung,
  • Artenvielfalt,
  • und gesunde Pflanzen.

Klimaschutz beginnt im eigenen Garten
Der eigene Garten kann weit mehr sein als nur Erholungsraum oder Zierfläche.
Er kann zu einem aktiven Bestandteil des Klimaschutzes werden!
Jeder Komposthaufen, jede Mulchschicht und jeder zusätzliche Prozentpunkt Humus im Boden hilft dabei, Kohlenstoff aus der Atmosphäre langfristig zu speichern.

Fazit
Das Thema Humusaufbau durch Kompostwirtschaft verdient deshalb deutlich mehr Aufmerksamkeit in der öffentlichen Diskussion.
Manchmal beginnt er ganz einfach mit einem Komposthaufen im eigenen Garten.

  • Zeitungsbeitrag
  • Bild: © ConceptionApo
  • Bild: © Manfred Antranias Zimmer / Pixabay

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Elisabeth Thesing-Bleck
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