Elisabeth Thesing Bleck 01
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Erntedankbrot - Der Gartenblog von Elisabeth Thesing-Bleck

Erntedank – Dankbar sein und Verantwortung übernehmen

Gartenfeste 2026/2027

In diesem Jahr feiern wir das Erntedankfest am 4. Oktober 2026. Für mich ist das ein schöner Anlass, innezuhalten und auf das zu schauen, was mein Garten in diesem Jahr hervorgebracht hat.

Kräuter, Beeren, Blüten, Samen und insbesondere viel Rohstoffe, aus dem man festliche Dekorationen für Haus und erstellen kann. Manches ist reichlich gewachsen, anderes hat unter Hitze und stark gelitten. Und doch ist da am Ende einer Gartensaison vor allem eines, Dankbarkeit!

  • Dankbarkeit für das, was gewachsen ist.
  • Dankbarkeit für Erde, Wasser, Sonne und Regen.
  • Dankbarkeit für die vielen Menschen, die dafür sorgen, dass Lebensmittel auf unseren Tisch kommen, und
  • Dankbarkeit dafür, dass ich einen Garten habe, in dem ich den Kreislauf von Säen, Wachsen und Ernten unmittelbar erleben darf.

Ein Fest mit sehr alten Wurzeln

Die christlichen Kirchen zeigen am Erntedankfest die Fülle der Früchte des Jahres als Zeichen des Dankes für die neue Ernte.

Erntedankfeste gehören weltweit zu den ältesten Traditionen. Obwohl wir heute das Erntedankfest in seiner Bedeutung als christliches Fest kennen, hat es eine sehr viel längere Tradition: Opfer- und Erntefeste gab es bereits im alten Ägypten. Auch im antiken Griechenland und im Römischen Reich bedankte man sich mit Opfergaben bei Demeter und Silvanus und anderen Fruchtbarkeitsgottheiten. Lange bevor das Christentum entstand, wurden auch im Norduropa bei den Kelten und Germanen Erntefeste mit Tieropfern und süffigem Erntebier gefeiert. Zu diesen Zeiten war es den Menschen noch sehr bewusst, dass die Gaben der Natur keine Selbstverständlichkeit sind. Seit dem 3. Jahrhundert ist ein Erntedankfest in der westlichen christlichen Kirche belegt. Einen einheitlichen Termin gab es zunächst nicht, denn die Ernte war je nach Region und Klima zu unterschiedlichen Zeiten abgeschlossen. Auch in der jüdischen Tradition gab es Erntefeste. Im Alten Testament finden sich Erzählungen, in denen die ersten Früchte der Ernte als Opfergabe dargebracht werden. 

Heute wird Erntedank in Deutschland in den evangelischen und katholischen Kirchen meist am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. Verbindlich ist dieser Termin allerdings nicht. Erntedank ist auch kein staatlicher Feiertag.

Danken für das tägliche Brot

Vielleicht wirkt ein Erntedankfest in unserer heutigen Zeit zunächst etwas aus der Zeit gefallen. Die meisten von uns säen kein Getreide aus, ernten keine Kartoffeln und müssen nicht mehr bangen, ob die eigene Ernte für den Winter reicht. Lebensmittel sind für uns jederzeit verfügbar. Gerade deshalb finde ich Erntedank heute besonders wichtig. Denn hinter einem Brot im Supermarkt stehen immer noch Erde, Wasser, Saatgut, Sonnenlicht und die Arbeit vieler Menschen. Technischer Fortschritt hat uns unabhängiger von einzelnen Naturereignissen gemacht, aber nicht von der Natur selbst. Das wird gerade in Zeiten des Klimawandels immer deutlicher. Hitze, Trockenheit oder Starkregen zeigen auch in unseren Gärten, dass eine gute Ernte keineswegs selbstverständlich ist. Wir Menschen bleiben trotz allen Fortschritts von den Naturkreisläufe abhängig. Daraus ergibt sich unsere Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen und für den Schutz der Natur.

Dankbarkeit bedeutet auch Verantwortung

Darin liegt für mich die vielleicht wichtigste Botschaft des Erntedankfestes. 

  • Wenn ich mich über einen fruchtbaren Boden freue, möchte ich ihn möglichst lange gesund und fruchtbar erhalten.
  • Wenn ich mich über Wasser freue, möchte ich sparsam damit umgehen.
  • Wenn ich mich über die Vielfalt der Pflanzen freue, möchte ich auch im eigenen Garten Lebensräume für Insekten und andere Tiere schaffen.
  • Wenn ich mich über eine reiche Ernte freue, möchte ich unsere Lebensmittel besonders wertschätzen.
  • Und wenn ich in einem Land lebe, in dem die Regale der Lebensmittelgeschäfte gefüllt sind, muss ich auch an die Menschen denken, denen das tägliche Brot fehlt.

Erntedank stellt damit eine gesellschaftliche Frage: Wie wollen wir miteinander leben, und welche Welt wollen wir den nächsten Generationen hinterlassen?

Mein Erntedank als Gartenfest

Auch in meinem Garten möchte ich dieses Jahr Erntedank feiern. Nicht mit einer großen Erntekrone, sondern mit dem, was mein Garten mir schenkt, zum Beispiel mit

  • Stockbrot vom Lagerfeuer für die Kinder
  • frische Maronen aus dem Grillenofen
  • Gemüseeintopf mit selbst gebackenem Brot
  • Flammkuchen mit Federweißer
  • Zwetschgen- und Apfelkuchen für die Kaffeetafel

Erntedank, liebevoll und kreativ gestaltet mit einem selbst gemachten Erntekranz von getrockneten Blüten und Samenständen aus Garten und Natur.

Durch einen herbstlich gedeckten Tisch wird die Feier im Freundes- oder Verwandtenkreis zum Highlight! Mit dem Themen bezogen Tischschmuck spiegele ich die bunten Farben der Ernte. Arrangements aus Zierkürbissen präsentiere ich in den Schalen von Zierkürbissen oder anderen kleinen Früchten zusammen mit Sonnenblumen und Herbst-Astern. Schon im Vorfeld gekochte Marmeladen zum Beispiel aus Brombeeren in kleinen Gläsern werden ebenfalls zum dekorativen Blickfang für die Tischdeko. Sie können nach dem Fest von den Gästen als kleines Präsent mit nach Hause genommen werden.

Dankbar sein in einer unruhigen Zeit

Wir leben in einer Zeit, in der vieles selbstverständlich scheint und gleichzeitig vieles unsicher geworden ist. Weltweit leiden noch immer Menschen Hunger. Zusätzlich  bedrohen Kriege ganze Regionen. Der Klimawandel verändert Lebensbedingungen. Lebensmittelpreise und Energiepreise belasten viele Menschen. Vor diesem Hintergrund kann ein Fest der Dankbarkeit fast unbequem wirken. Dankbarkeit bedeutet dann nicht, die Augen vor den Problemen unserer Zeit zu verschließen. Im Gegenteil, wer wahrnimmt, wie reich das eigene Leben ist, kann vielleicht besser erkennen, wo anderen etwas fehlt. Vielleicht ist genau das genau die Stärke des Erntedankfestes. Denn Danken und Teilen gehören zusammen.

Erntedank bedeutet für mich deshalb mehr als den Dank für eine gute Ernte. Es ist ein Fest des Staunens, des Dankens und der Verantwortung.

  • Ich darf mich über die Fülle freuen.
  • Ich darf dankbar sein für das, was mir geschenkt wird.
  • Aber ich sollte diese Fülle nicht als selbstverständlich betrachten.

Mit diesem Fest möchte auch an das erinnern, was ich nicht ernten kann und trotzdem zum Leben brauche. Sauberes Wasser, fruchtbare Böden, bestäubende Insekten, ein stabiles Klima und Menschen, die Lebensmittel anbauen und ernten bilden die Grundlage auf der ich stehe. Mein Garten zeigt mir jeden Tag, dass nichts selbstverständlich ist!Das Erntedankfest beschreibt heute eine wichtige Haltung, nicht nur zu fragen, was uns zusteht, sondern erinnert an das was wir bewahren, teilen und weitergeben können. So wird aus dem alten Erntedankfest eine aktuelle Botschaft:

  • Dankbarkeit macht bewusst, was wir haben.
  • Unsere Verantwortung entscheidet, was daraus wird.

Genau das gehört zu meinem Verständnis von Garten!

 


 

Bilder:
© Norbert Staudt / Pixabay
© Ursula Paczkowski / Pixabay
© ConceptionApo.de
© Adrian / Pixabay

 

 

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Elisabeth Thesing-Bleck
Erntedank – Dankbar sein und Verantwortung übernehmen