Elisabeth Thesing-Bleck

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Wüstengarten

Mein zweiter Garten

Der Traum von den eigenen vier Wänden gehört nach wie vor zu den am häufigsten geäußerten Lebenszielen. Auch wir beschlossen diesen Schritt zu wagen. Es war uns gelungen eine Baulücke zu erwerben. Sie lag quasi um die Ecke, in einem etwas verschlafenen Vorort einer Großstadt, mitten in einer schon ein wenig in die Jahre gekommenen Einfamilienhaus-Siedlung. Wie es zunächst schien, eine Herausforderung für eine junge Familie mit kleinen Kindern.

Wüstengarten 01Schon der Erwerb des Baugrundstückes war eine finanzielle Herausforderung, von den erhöhten Kosten für ein baubiologisch gesundes Niedrigenergiehaus ganz zu schweigen. Nachdem wir in unserem Neubau viele unserer Wünsche realisieren konnten, machten uns unsere Erfahrungen mit unserem ersten Garten Mut, das fast 900 m2 zu gestalten und anzulegen.

Unsere Gartenvorstellungen sind bis heute fester Bestandteil unseres Lebensentwurfs. Im Idealfall sollten diese jedoch kontinuierlich an das eigene Setting angepasst werden. Pfiffige Spielmöglichkeiten, die die Kreativität der Kinder anregen, eine ökologisch wertvolle Staudenanlage und ein biologisch-dynamisch bewirtschafteter Selbstversorgerteil, der einen deutlichen Beitrag zur gesunden Ernährung der Familie liefert, standen in der Gründungsphase unserer Familie ganz oben auf unsere Prioritätenliste.

Wüstengarten 02Die tradierte Ortsbezeichnungen der Nachbarstadtteile Schmachtendorf und Wehhofen deuteten schon auf einen eher unfruchtbaren Standort hin. Das wurde  durch die Bodenwertzahl von 30 bestätigt, die hier für einen mit wenig Lehm durchsetztem Sand steht, nahezu ohne Humus. Zu allen Überfluss erlaubten es die verbrieften Wasserziehungsrechte dem Bergbaus und der Chemieindustrie unter unserem Grundstück das Wasser weg zu pumpen. Ausgangsvoraussetzungen, die ich eher in einer Wüste als in einem fruchtbarem Garten erwartet hätte. Zu allem Überfluss war das ganze Grundstück auch noch mit einer undurchdringlichen Schicht aus Rasen-Eisenerz bedeckt, die so dick war, dass sie sich offenbar in früheren Zeiten für die Eisenerzgewinnung gelohnt haben muss. Voraussetzungen also, die jedem Hobby-Gärtner schlaflose Nächte bereiten können.

Wir bestellten einen Bagger, der das Raseneisenerz mitsamt der darauf waschsenden Wildkräuterschicht abräumte und einen ganzen Muldenkipper samt Anhänger voller Kompost. So gelang es uns erstaunlich schnell, den ausgemagerten Sandboden fruchtbar zu machen. Im Ziergarten war es die Pflanzengesellschaft eines Magerstandorts, die mir den Weg wiesen und mir Mut machten gerade unter ungünstigen Bedingungen etwas Außergewöhnliches zu schaffen.

Ein eklatante Mangel an kompostierbarem organischen Material gehört zu den Startschwierigkeiten eines jeden jungen Gartens. Wir hatten den Anspruch für  unseren Nutzgarten ausschließlich Kompost aus der hauseigenen Drei-Kammer-Kompostanlage zu verwenden. Intensives Literaturstudium und die gezielte Suche nach für diesen Boden geeignetem Saatgut ermöglichten uns trotzdem relativ bald hinreichende Erträge zu erzielen.

Wüstengarten 03Insgesamt bewirtschafteten wir diesen Garten 8 Jahre lang. Wir hatten uns nie vorstellen können, ihn freiwillig wieder zu verlassen. Aber das Leben hält oftmals Überraschungen bereit, die man selbst in den kühnsten Träumen nicht für möglich hält. Anlässlich unseres Umzugs in eine andere Stadt bedauerten unsere  Nachbarn und Gartenfreunde unseren Auszug aus Haus und Garten auch deshalb, weil ihnen jetzt der regelmäßige Austausch über den Gartenzaun und auch der Nachschub an Pflanzensämlingen für ihren eigenen Garten fehlte, die sich bei uns selbständig ausgesäten und die ich regelmäßig weiter verschenkte.

Wüstengarten 04Die prächtigsten Pflanzen, insbesondere diejenigen, die ich aus Samen angezüchtet hatte wurden in Kompost eingeschlagen und noch vor unseren ganzen Hausstand auf das Grundstück meines dritten Gartens verfrachtet. Mit einem reichen Erfahrungsschatz ausgestattet starteten wie neu. Ich legte somit meinen dritten Garten an.

Wüstengarten 05Durch meinen zweiten Garten lernte ich

  • dass die Pflanzen, die sich auf extreme oder magere Standorte spezialisiert haben, fast immer mit viel schöneren Blüten auf sich aufmerksam machen, als diejenigen, die in nährstoffreichen und gut mit Feuchtigkeit versorgten und Böden heimisch sind.
  • dass es am einfachsten ist, einen prächtigen Staudengarten anzulegen, wenn man durch alle umliegenden Gärten zieht und alle Nachbarn um Teilstücke von ihren Lieblingsstauden bittet.
  • dass Nachbars Lieblingsstauden auch im eigenen neu angelegten Garten erstaunlich gut wachsen und regelmäßig gratis on top mit allen Insiderkenntnissen, die für ein prächtiges Gedeihen notwendig sind, versorgt werden!
  • dass Sämlinge und Staudenteile aus Nachbars Garten so prächtig wachsen, und dass man nach kürzester Zeit selber eine so große Anzahl davon hat, die ausreicht um auch alle anderen Nachbarn und Gartenfreunde mit viel mehr Nachwuchs versorgen zu können, als man selber je bekommen hat.
  • dass es auch nicht mehr ganz so tatkräftige Nachbarn gibt, die gerne selbst versamte, gut eingewachsene Jungbäume auf ihrem eigenen Grundstück verschenken, die zu groß werden oder die an ihrem derzeitigen Standort stören – und dass diese Besitzer mit dem Pyrrhus-Geschenk ihren eigenen Vorteil verbinden, wie die zukünftigen Eigentümer auch hartnäckigste Baumwurzeln zuverlässig entfernen.

Wüstengarten 06Pflanzen, die in meinem zweiten Garten besonders prächtig gedeihen.

  • Narzissen
  • Zierlauch
  • Katzenminze
  • Mangold
  • Gemüsezwiebeln
  • Neuseeländer Spinat
  • Meerkohl
  • Rhabarber

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Elisabeth Thesing-Bleck
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