Elisabeth Thesing-Bleck

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Löss-Garten

Mein dritter Garten

Löss-Garten 021Das Leben hält Überraschungen bereit, die man sich in seinen künsten Träumen nicht vorstellen kann. Gerade als unsere Familie es sich so richtig bequem gemacht hatte und wir alle in unserem Großstadtvorort und in unserem Garten richtig gut angekommen waren, genau zu diesem Zeitpunkt ergab sich eine neue berufliche Herausforderung. Niemand von uns konnte sich zu der Zeit vorstellen, innerhalb kürzester Zeit alle Zelte abzubrechen und an einem neuen Ort noch einmal durchzustarten.

 

Unsere Familie wagte den Neustart und ich legte damit meinen dritten Garten an.

Löss-Garten 02Wir kauften einem in die Insolvenz gegangen Bauherren einen erweiterten Rohbau ab. Dieses Objekt hatte bereits mehrere Jahre leer gestanden. Der Bodenaushub türmte sich zu 2-3 riesigen Haufen auf. Und in der Mitte des Grundstückes befand sich ein riesiges undefinierbares „Schwarzes Loch“. Wenn ich nicht schon über reichlich Vorerfahrung mit zwei anderen Grundstücken verfügt hätte, dann hätte ich mir wohl niemals vorstellen können, wie daraus etwas Urbanes entstehen könnte.

Noch bevor das Haus fertig gestellt war, nahm ich das Grundstück in Angriff. Der Bördeboden aus Lösslehm mit einer Bodenwertzahl von 94 gehört zu den fruchtbarsten Erden der Welt. Er ist allerdings extrem schwer zu bearbeiten, insbesondere wenn er stark ausgetrocknet ist. Regen ist in dieser Gegend das ganze Jahr über zu erwarten. Selbst der trockenste Monat weist noch ausreichend hohe Niederschlagsmengen auf. 854 mm Niederschlag fallen im Durchschnitt pro Jahr. 9.8 °C ist statistisch gesehen die Jahresdurchschnittstemperatur. Der Garten kann in die Klimazone 8b eingeordnet werden.

Zur Verblüffung aller ließ ich das Grundstück keineswegs einplanieren. Das große viereckige „Schwarze Loch“ ließ ich von allen Schuhen, Eimern, hart gewordenen Zementsäcken und sonstigem überflüssigen Hausrat säubern und all dem, was sich im Laufe der langen Brache darin sonst noch darin angesammelt hatte.

Löss-Garten 03Die beiden Hügel mit dem Bodenaushub ließ ich nur geringfügig abflachen. Der Mutterbodenhaufen wurde auf die beiden Erdhügel verteilt. Um das „Schwarze Loch“ herum führte ich eine Rasenfläche aus Rollrasen herum, die perspektive in einem virtuellen Fluchtpunkt endete. So entstand der Eindruck eines Rasenweges, der zwischen den beiden Hügeln hindurchführt. Auch heute können noch Gartenbesucher neugierig werden, was sich wohl hinter den Hügeln verbergen mag. Das kleine, in eine Baulücke eingezwängte Grundstück erhält dadurch Spannung, Raum, Perspektive und Weite. Das „Schwarze Loch“ legte ich später mit einer Teichfolie aus und verwandelte es in ein Biotop. Dieser nur von Regenwasser gespeiste Teich wird inzwischen von allen vier heimischen, auf der Artenschutzliste stehenden Molcharten als Kinderstube genutzt.

Löss-Garten 04Nachdem das ganze Grundstück mit einer 10 cm hohen Mulchschicht aus gut abgelagertem Grobkompost bedeckt wurde, zogen noch vor uns, den Hausbewohnern die Pflanzen aus meinem zweiten Garten in meinem dritten Garten um. Innerhalb kürzester Zeit entstand eine prächtige Staudenanlage. Die überzähligen Pflanzen, die meine neuen Nachbarn aufgrund der hohen Bodenfruchtbarkeit in Fülle verschenken konnten und Fundstücke von einigen locker aufgeschütteten Komposthaufen einer Schrebergartenkolonie vervollständigten das Gartenbild.

Löss-Garten 05Einige Gartenlaubenbesitzer hatten Bodenaushub mit Pflanzenresten auf einer dafür vorgesehen Lagerfläche abgekippt. Im Laufe der Zeit hatten sich dort wahre Pflanzenschätze entwickelt. Hier entdeckte ich fast in Vergessenheit geratene Raritäten darunter historische Pfingstrosensorten, die heute kaum noch gehandelt werden und insbesondere die 1936 gezüchtete Iris-Sorte „Louvain“. Sorgsam päppelte ich vergessene Pflanzenreste wieder auf und bestimmte anschließend ihre Sortenzeichnungen. Einige der Prachtstücke zeigten erst mehrere Jahre später ihr zauberhaftes Gesicht.

Hervorstechende Pfingstrosensorten

Blütenfarbe Sortenbezeichnung Züchter Jahr
weiß Paeonia latifolia; Festiva Maxima Miedlez 1851
rosa Paeonia latifolia; Lady Alexandra Duft Kelway 1902

Award of Garden Merit 1993

rosa / gelbe Staubgefäße Paeonia latifolia; Bowl of Beauty Hoogendoorn 1949
rot mit bronze-gelben Petaloiden Paeonia latifolia; Luckoo`s Nest

(Japanische Pfingstrose)

William Krekler 1977

Besondere Herausforderungen, vor die mich mein dritter Garten stellte:

  • Ich lernte, dass durch eine raffinierte Grundstücksgestaltung, die insbesondere die Nachbargärten mit in die Blickachsen einbezieht, ein kleiner Garten eine deutlich größere Wirkung erzielen kann.

Lösslehm

  • Ich lernte, wie man mit einem Löss-Lehmboden mit Bodenzahl 94 umgehen kann.
  • Ich lernte, dass Löss-Lehmboden unvorstellbar große Mengen an organischer Substanz beziehungsweise Kompost benötigt, damit aus ihm ein belebter, fruchtbarer und vergleichsweise leicht zu bearbeitender Gartenboden entsteht.
  • Ich lernte, dass der vielfach gehörte, gut gemeinte Ratschlag, man möge fruchtbaren Löss-Lehmboden mit scharfem Sand abmagern oder vermischen, um so die Gefahr für Staunässe zu verringern und die Bearbeitbarkeit zu verbessern kaum Erfolg hat.

Löss-Garten 06Pflanzenauswahl

  • Ich lernte Pflanzen kennen, die auch im dunklen, trockenen Schatten gut gedeihen.
  • Ich lernte Pflanzen kennen, die auch im Wurzelbereich unter 150 Jahre alten Pappeln noch wachsen können.
  • Ich lernte, wie man Gartenstauden unbekannter Herkunft verjüngen und ihre Sortenbezeichnungen ermitteln kann.
  • Ich lernte, wie man eine fast 80 Jahre alte Birnenhecke, die in Doppel-U-Forum als Heckenspalier gezogen wurde, durch einen Verjüngungsschnitt noch einige Jahre länger erhalten kann.

Löss-Garten 07Feuchtbiotop

  • Ich lernte, wie wichtig ein Feuchtbiotop in einem Privatgarten ist und welche Unterstützung davon für den Artenschutz ausgehen kann.
  • Ich beobachtete, dass Molche innerhalb kürzester Zeit große Mengen Froschlaich auffressen können.
  • Ich lernte, dass Schnecken keine Überlebenschance haben, wenn Amphibien im Garten wohnen.

Löss-Garten 08Katzen

  • Ich lernte, dass in einem naturnahen Garten immer auch Katzen leben sollten, um Schadnager auf zu spüren und dass die Stubentiger schon allein durch das tägliche Abschreiten ihres Revieres alle Wühlmäuse und Maulwürfe in die Flucht schlagen.
  • Bedauerlicherweise lernte ich aber auch, dass es Menschen geben soll, die Katzen für Allgemeineigentum halten und diese ohne vorherige Rücksprache mit ihren Besitzern unaufgefordert und unerwünscht füttern, sie als Kuscheltiere illegal in Ihre Wohnung locken und von ihnen übergriffig und ungebeten Besitz ergreifen. Die Kosten für Pflege- und Gesundheitsmaßnahmen für ihre unerlaubt ausgeliehenen Haustiere überlassen sie selbstverständlich ihren eigentlichen Besitzern!
  • Ich machte leider auch die unschöne Erfahrung, dass es Menschen geben muss, die Katzen mit einem Luftgewehr durchs Ohr schießen oder sie unrechtmäßig wegfangen um ihr Fell zu verkaufen oder sie für Tierversuche feilbieten.

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