Elisabeth Thesing-Bleck

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Kann man gebrauchte Pflanzenerde wiederverwenden?

In jedem Frühjahr stellt sich im Urban Gardening eine Frage aufs Neue – kann die alte Pflanzenerde noch einmal verwendet werden oder besser nicht? Neues Substrat ist je nach Qualität nicht preiswert. Und außerdem fällt jedes Mal wieder die Schlepperei schwerer Säcke in die oberen Etagen an.

Gebrauchte Erde kam einen völlig unterschiedlichen Ausgangszustand aufweisen.

Deshalb fällt Antwort auf die Frage, ob gebrauchtes Substrat aufbereitet werden kann, selten eindeutig aus! Es kommt auf die Ausgangslage an.

Im Sommer erhitzt sich die Erde in Töpfen sehr schnell. Das kann einen großen Teil der lebenswichtigen Mikroorganismen zum Absterben bringen. Außerdem kann in Hitzesommern wie in den letzten Jahren die Erde im Topf bis in den Wurzelbereich komplett austrocknen. Sie ist dann nur noch schwer wieder zu benetzen und muss danach ausreichend lange in einem wasserdichten Topf gewässert werden.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Nach langen Regenperioden beginnt die Erde zu schimmeln oder zu faulen. Die Nährstoffe sind aus geschwemmt. Ein solches Substrat muss immer entsorgt werden, da es schädliche Mikroorganismen übertragen kann. Oft besteht die alte Blumenerde in Kästen und Kübeln am Ende der Saison nur noch aus einem dichtem Wurzelgeflecht. Solche Erde kommt ebenfalls auf den Kompost oder in die Biotonne.

 

Wurde das Substrat bereits eine Saison lang für die Topfkultur verwendet, ist die Erde oft zusammengesackt und verhärtet. Ihr Düngerdepot und ihre Nährstoffe sind aufgebraucht. In zusammengefallenen Substraten kommt nicht mehr genug Sauerstoff an die Wurzeln. Eine solche Erde sollte ohne vorhergehende Aufbereitung nicht für eine weitere Pflanzung benutzt werden, weil sie die neuen Pflanzen nicht mehr mit ausreichend Nahrung versorgen kann.

Erde an sich verdirbt aber nicht und wird auch nicht schlecht! 

Erfahrene Gärtner prüfen zunächst optisch und mit ihren Händen, ob die Aufbereitung des verbrauchten Substrats möglich ist.

Erfahrene Topfgärtner beurteilen die Pflanzerde zunächst optisch, wenn sie diese aus ihren Töpfen in ein anderes Gefäß umgefüllt haben. Sie entscheiden erst dann, welche Maßnahmen nötig sind, um das Substrat für die Wiederverwendung aufzubereiten. Wer Erde erneut verwenden will sollte immer zwei wichtige Punkte beachten. In jeder Saison muss aufs neue für eine gute Durchlüftung des Substrats gesorgt werden. Jede Topferde muss in jeder Saison neu mit Nährstoffen versorgt werden.

 

 

Für die Aufbereitung gebrauchter Erde geht man am besten wie folgt vor:

  • Die Erde aus dem Töpfen in ein anderes deutlich größeres Gefäß umfüllen.
  • Zusätzlich das in den Pflanzenwurzeln hängen gebliebene Substrat heraus schütteln und mit verarbeiten.
  • Grobe Verdichtungen und größere Pflanzenwurzeln aussortieren und kompostieren oder in der Biotonne entsorgen.
  • Die alte Erde abwechselnd schichtweise mit zugekauften Kompost oder Biomasse aus der Wurmhumuskiste oder dem Bokashi-Eimer aufsetzten.
  • Großzügig einen biologischen Langzeitdünger zufügen wie zum Beispiel Knochenmehl, Hornspäne oder Schafwoll- bzw. Pferdemistpellests. 
  • Wenn das Ausgangssubstrat stark verdichtet ist, empfiehlt es sich neue Faserstoffe zum Beispiel Kokos-Fasern ein zu arbeiten, um Struktur und Standfestigkeit zu verbessern. In geringem Maße können dafür auch stark zerkleinerte Wurzeln der zu entsorgenden Topfpflanzen beigefügt werden.
  • Zur Verbesserung der Wasserspeicherung tragen zusätzlich auch Tongranulat oder Perlite bei, die nach Bedarf zugegeben werden können.
  • Sand macht die Erde zwar durchlässig, sodass keine Staunässe entstehen kann, enthält jedoch keinerlei Nährstoffe.

Hier ein Beispiel für aufbereitete Topferde, die zum Ausruhen mit Gründünger eingesät wurde. Die Zuschläge, die zur Verbesserung der Stuktur des gebrauchten Erde zugefügt wurden, sind noch als helle Punkt zu erkennen.

Wenn kein Kompost zur Aufbereitung der Pflanzenerde zur Verfügung steht, dann sollte man damit rechnen, dass biologische Dünger nicht wirken. In diesem Fall kann man versuchsweise die ausgelaugte Erde mit einem mineralischen Langzeitdünger aufdüngen. Das kann mit unter gut gelingen. Ob es erfolgreich ist, hängt entscheidend vom Ausgangszustand des Substrates ab, das aufbereitet werden soll.

Wenn die Zutaten für die zu regenerierende Erde zusammen gestellt sind, alles gründlich vermischen. Ideal ist es die so aufbereitete Mischung eine Zeit lang in einem gut durchlüfteten Aufbewahrungskorb ruhen zu lassen. Sollte diese Ruhepause im Winter stattfinden, kann man im Herbst eine geeignete Gründung einsähen. Das sieht in den dunklen Wintermonaten nicht nur ansprechend aus. Es gibt auch den Mikroorganismen ausreichend Zeit, sich zu erholen.

Im Frühjahr steht dann eine neue wertvolle Erde zur Verfügung.

 

 

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Elisabeth Thesing-Bleck
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